Lisa Späth fuhr skeptisch auf die Koppel. Zwei Stunden später saß sie zuhause – und buchte drei Einzelsessions. Was dazwischen lag, war ein kleines Pony namens Hansi. Und eine Begegnung mit sich selbst, die sie so nicht erwartet hatte.
Mehr als die Hälfte der 16 Ortsvorsitzenden des KreisLandFrauenverbands Ehingen hat inzwischen pferdegestütztes Coaching in Anspruch genommen. Die meisten buchten danach eigenständig weiter. Dass das so kommen würde, hatte beim ersten Mal niemand geahnt. „Da kriegen mich keine zehn Gäule dazu“ – dieser Satz fiel. Und er fiel mehr als einmal.
Dahinter steckt ein klares Selbstverständnis des Kreisverbands. Ortsvorsitzende bei den LandFrauen zu sein ist kein Ehrenamt im klassischen Sinne – es ist ein Wachstumsfeld. Wer das Amt annimmt, übernimmt echte Führungsverantwortung: Entscheidungen treffen, eine Gemeinschaft gestalten, Menschen motivieren, die sich freiwillig einbringen. Das fordert und es entwickelt.
„Vorsitzende zu sein bei den LandFrauen ist die wirksamste Form der Persönlichkeitsentwicklung, die wir kennen – privat und beruflich“, sagt Kreisvorsitzende Sabine Scherb. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, unseren Ortsvorsitzenden genau das zu ermöglichen: in Gemeinschaft über sich hinauszuwachsen.“
Dr. Claudia Grab-Kroll, ebenfalls Kreisvorsitzende, ergänzt: „Wir wollten ein Angebot schaffen, das wirklich trifft. Keine Theorie, kein Seminarraum – sondern eine Erfahrung, die im Körper bleibt und sich im Alltag zeigt. Pferdegestütztes Coaching tut genau das.“
Das Konzept kommt von Elisa Schreiber, EquiSoul Coaching. Systemisch-pferdegestützte Coach, anerkannt vom Berufsverband Pferdegestützter Interventionen, mit einem mobilen Ansatz: Wo ein Pferd ist, kann sie arbeiten. Ihr zentrales Werkzeug ist das Tier selbst. „Pferde reagieren auf das, was Du wirklich ausstrahlst – nicht auf das, was Du zu vermitteln versuchst. Jede noch so kleine Veränderung in der inneren Haltung, der Körpersprache oder der Präsenz zeigt sich unmittelbar im Verhalten des Tieres. Ehrlich, authentisch, ohne Bewertung“, erklärt Elisa Schreiber.
Was jede Teilnehmerin lernt, ist individuell. Für eine ist es die Überwindung von Angst. Für die nächste das Erheben der Stimme. Für eine weitere das Setzen von Grenzen. Lisa Späth, Ortsvorsitzende aus Allmendingen-Niederhofen, beschreibt, was der Nachmittag mit ihr gemacht hat: „Ich habe mich durch dieses Coaching besser kennengelernt. Ich bin für mich gewachsen und habe mein Strahlen gefunden.“
Führung entwickelt sich hier auf einer Koppel. Mit einem Tier, das kein Taktieren kennt – und keine halben Antworten akzeptiert.